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Ambulante Hilfen

Hilfen zur Erziehung werden gewährt, wenn eine dem Wohl der Kinder entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist. Ambulante Hilfen zur Erziehung unterstützen Familien in ihrer Lebenswelt, beraten Eltern in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung und fördern Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung hin zu eigenständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Dabei geht es immer auch darum besondere Belastungen in der Lebenssituation oder Beeinträchtigungen auf Seiten der Eltern und/oder der Kinder zu bewältigen.In Zeiten der Corona-Krise sind diese Familien durch den Wegfall von tagesstrukturierenden und unterstützenden Angeboten wie Schule, Kita, aber auch beratenden und therapeutischen Angeboten bis hin zu Selbsthilfegruppen rund um die Uhr auf sich allein gestellt. Eltern und Kinder sind auf ihre – mitunter sehr beengte – Wohneinheit begrenzt und müssen mit den hieraus entstehenden Dynamiken zu Rande kommen. Nach Berichten von Fachkräften intensivieren sich in dieser Situation auch Umgangsstreitigkeiten, beispielsweise wenn Corona als Argument genutzt wird, das Kind bzw. die Kinder dem anderen Elternteil vorzuenthalten.

​​​​​​​Fachkräfte in ambulanten Hilfen stehen den Familien auch in Zeiten von Corona zur Seite

Zu Beginn der Corona-Krise hielten die Fachkräfte häufig auf digitalem Wege mit den Familien Kontakt. Nur bei Bestehen eines Schutzplans fanden rasch auch persönliche Kontakte der Fachkräfte mit den Familien statt – unter Wahrung der Hygieneregeln und unter Nutzung neuer bzw. variierter Settings: Spaziergänge mit Familien oder einzelnen Familienmitgliedern, Kontakte in Räumlichkeiten, die es zulassen, Abstand zu halten oder auch unter Einsatz eines Mund-Nasen-Schutzes von Fachkräften. Die Umsetzung digitaler Beratungsarbeit hat ein enormes Maß an Kreativität freigesetzt, um Kinder, Jugendliche, Mütter und Väter, die nun mehr denn je der Unterstützung bedürfen, verlässlich zu begleiten. 

Michelle Langer, Mitarbeiterin eines ambulanten Jugendhilfeträgers in Hildesheim, spricht darüber, wie ihre Arbeit mit jungen Menschen und Familien in Zeiten von Corona beeinträchtigt, umorganisiert und weiterentwickelt wurde.

Grenzen der Beratungsarbeit über digitale Medien

Besondere Herausforderungen stellen sich, um mit Kleinkindern digital in Kontakt zu treten oder auch hinsichtlich des Austauschs mit bestimmten Zielgruppen, beispielsweise Kindern mit Autismus, Kindern und Eltern mit eingeschränkter Aufmerksamkeitsspanne oder mit verminderter Intelligenz. Zudem stellen Runden mit mehreren Gesprächsteilnehmer*innen (z.B. Familien- oder Hilfeplangespräche) besondere Anforderungen an die Steuerung der Gesprächsdynamik. Auch wird es immer wieder der kritischen Reflexion bedürfen, welche Inhalte wie tiefgehend über digitale Medien besprochen werden können und wie der hierzu notwendige Kontakt gehalten und gestaltet werden kann. Hinzu kommt, dass nicht alle Familien über die notwendigen technischen Voraussetzungen für die Kommunikation verfügen.

​​​​​​​Schrittweise Öffnung des Alltagslebens erfordert neue Strategien

Mit der schrittweisen Öffnung des Alltagslebens sind auch in den ambulanten Hilfen wieder vermehrt persönliche Kontakte möglich. Mit den verbleibenden Anforderungen an Hygiene und Infektionsschutz besteht aber auch die Notwendigkeit modifizierte Settings zu gestalten. Diese erfordern entsprechende Raumkonzepte, eine angemessene Balance zwischen Infektionsschutz und Beziehungsarbeit sowie zwischen Anforderungen an den Gesundheitsschutz und das Kindeswohl.

Auf den nächsten Seiten stellen wir Ihnen Informationen und Praxisbeispiele zur Gestaltung der ambulanten Hilfen zur Erziehung unter den Bedingungen und Herausforderungen der Corona-Pandemie zur Verfügung: