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Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht von Manuela Görlach, Einrichtungsleitung der Kita “Haus der kleinen Füße“ in Wörrstadt

„Rituale sind für vor allem für kleinere Kinder und zur Strukturierung des Alltags extrem wichtig – wir wollen daher trotz der aktuellen Schließung versuchen ein Stück Kita weiterhin nach Hause zu transportieren. Hierfür haben wir über die Woche verteil verschiedene Angebote entwickelt, um auch weiterhin mit den Kindern und Eltern in Kontakt bleiben zu können. Beispielsweise drehen wir zweimal die Woche ein Video für die Kinder. An anderen Tagen erhalten die Kinder Post nach Hause – mal gibt es ein Ausmalbild, mal ein Rätsel, mal eine Aufgabe zum Erkunden in der Natur.

Damit die Mailpostfächer der Eltern nicht mit unseren Videos verstopft werde, haben wir ein Pre-Paid Handy gekauft und die Eltern gebeten, wenn sie möchten und ihr Einverständnis geben, sich per Whatsapp zu melden. Wir haben dann für jede Kitagruppe eine eigene Whatsapp-Gruppe eingerichtet. Darüber verschicken wir dann zum Beispiel die Morgenkreis-Videos, das ist unkompliziert. Als Admin haben wir die Möglichkeit, die Kommunikation zwischen den Eltern zu blockieren, so können in diesen Gruppen ausschließlich Infos von uns verschickt werden.

Es funktioniert prima und die Eltern geben uns positive Rückmeldungen. Viele Eltern teilen uns sogar mit, dass sie so noch mal ganz andere Einblicke in den Kita-Alltag der Kinder bekommen und sind total glücklich über diese Erfahrungen. Es macht wirklich riesigen Spaß, obwohl es natürlich sehr viel Arbeit ist. Denn wir wollen vor allem mit den Kindern und den Eltern in Kontakt bleiben.“

​​​​​​​Erfahrungsbericht einer Kita-Sozialarbeiterin

„Ich arbeite als Kitasozialarbeiterin über den Träger Landesjugendwerk der AWO Sachsen-Anhalt e.V. in Magdeburg. Wir sind aktuell sechs Kitasozialarbeiterinnen, die über den Träger in sechs Kitas arbeiten. Wir sind von der Pandemie ebenfalls betroffen und können nicht mehr die Soziale Arbeit leisten, wie vorher. Um Kontakt mit den Eltern und Kinder zu halten, hatten wir uns ein Brief-Projekt überlegt und konnten dieses vor Ostern noch versenden. Inhalt des Briefes waren ein Anschreiben mit dem Hinweis und einem QR-Code zu unserer neu erstellten Website, wo ganz viele Links mit Bastelanleitungen, Hörbüchern, Sportangeboten etc. sind, Hinweise zu aktuellen Hilfen (KiZ) und wichtigen Telefonnummern. Wir haben auch das Thema Corona aufgegriffen und Erklärvideos für Kinder und Seiten mit Informationen für Eltern (mehrsprachig) verlinkt. Des Weiteren waren Tipps zur Freizeitgestaltung, Bastelanleitungen mit Memoryspiel, ein Regenbogen-Ausmalbild, ein Corona-Tagebuch und noch mal den Hinweis, dass wir weiterhin Ihre Ansprechparterinnen sind, Inhalte des Briefes. Wir wollten den Eltern, vor allem für die es gerade eine Herausforderung ist, ein paar Ideen und Möglichkeiten an die Hand geben. Unsere Website wird regelmäßig aktualisiert und wir werden sicherlich auch noch einen zweiten Brief versenden. Die Kitasozialarbeiterinnen haben das Projekt gemeinsam mit den Kitas organisiert und hoffen, den Eltern und Kindern eine kleine Freude gemacht zu haben.“

Erfahrungsberichte von Familien

"Berufliches und Privates trennen ist in Zeiten von Home Office mit Kindern utopisch. Alles verschmilzt miteinander - berufliche Telefonate, Kindermalereien, die jetzt unbedingt gezeigt werden müssen, Texte für die Arbeit schreiben, tobende Kinder, die jetzt gerne eine Kissenschlacht machen möchten. Nicht zu vergessen: Haushalt, Kochen, Essen. Alles läuft parallel. Meine Frau und ich haben das große Glück, dass wir beide im Home Office arbeiten dürfen. Das erleichtert vieles, da wir uns bei der Kinderbetreuung größtenteils abwechseln können".

"Unser Kindergarten, die Arche Noah in Undenheim, verhält sich in der derzeitigen Situation absolut vorbildlich. Sie informieren regelmäßig und ausführlich über die Notbetreuung und geben tolle Tipps, wie man seine Zwerge zuhause beschäftigen kann. Zum Beispiel versenden sie per Mail Malvorlagen - so gibt es derzeit im gesamten Ort eine Malaktion, bei der die Kleinen einen Regenbogen ausmalen und diesen nach außen sichtbar an ein Fenster kleben. Die Idee dahinter: Kinder, die die Regenbogen beim Spazierengehen in den Fenstern entdecken, merken, dass auch die anderen Kinder von den aktuellen Einschränkungen betroffen sind. Ein toller Gedanke, der auch bei unseren Zwergen wirkt."

 Erfahrungsbericht aus einer Kindertagesstätte in Rheinland-Pfalz

„Nun beginnt die vierte Woche, in der eine merkwürdige Stille in unserer Einrichtung herrscht. Das Haus hat immer gelebt! Desto erheblicher ist die derzeitige Einsamkeit und Leere spürbar. Wochenweise wechseln wir uns mit der Notbetreuung der Kinder und dem Arbeiten in der Kita ab, so dass immer ein Teil der Fachkräfte in der Einrichtung ist und der restliche Teil von zuhause arbeitet. Das, was unseren Beruf ausmacht – das Arbeiten mit und an dem Kind – vermissen wir sehr, jedoch versuchen wir das Beste daraus zu machen und legen den Fokus auf viele liegengebliebene Arbeiten. Davon profitieren nicht nur wir, sondern auch die Kinder, da viele Projekte, wie beispielweise der Bau von Matschküchen, der Aufbau unseres neuen Klettergerüstes, der Bau von selbst entworfenen Tankstellen im Rädchenhof oder das Einpflanzen eines Weidentunnels erledigt werden konnten und somit hoffentlich bald von den Kindern ausprobiert wird. Ebenso hat sich viel in unserem Haus verändert. Mehrere Räume wurden getauscht und erhalten somit eine andere Funktion, Spielmaterialien wurden ausgetauscht und Ideen zur Gestaltung des Alltags wurden gesammelt und können hoffentlich bald im Alltag mit den Kindern umgesetzt werden.
Weiterhin erhalten unsere Eltern und Kinder einen regelmäßigen Newsletter mit Experimenten, Kindergrüßen, Koch- und Backrezepten, Bastelideen und sonstigen Aktivitäten, die sie in den Alltag zuhause integrieren können. Durch Telefonate und den Newsletter bleibt uns zwar nur in eingeschränkter Form der Kontakt untereinander, aber wir erfahren trotzdem, wie es allen in der jetzigen Situation geht. Zudem verfügt die Ortsgemeinde über eine eigene Sendeplattform „TV Rheinterasse“, die zurzeit sowohl Videobotschaften aus den Kitas als auch aktuelle Infos an alle Bürger und Bürgerinnen ausstrahlt, die dadurch auch die Familie erreichen.“

Erfahrungsbericht einer Einrichtungsleitung einer Kindertagesstätte

„Durch die aktuelle Notbetreuung befinden sich bei uns viele Mitarbeiter*innen im HomeOffice. Doch was bedeutet HomeOffice für pädagogische Fachkräfte ganz konkret? Portfolio, Lerngeschichten, Entwicklungsdokumentation, neue Bastelangebote ausprobieren? Nein, wir haben uns für einen anderen Weg entschieden: Für unser Team vom Montessori-Kinderhaus bedeutet dies konkret, Arbeitsaufträge zur persönlichen Fortbildung und Weiterentwicklung zu bearbeiten […] Durch diese Maßnahmen ist es uns gelungen sowohl die Notbetreuung zu gewährleisten und gleichzeitig die Mitarbeiterentwicklung weiterhin im Auge zu haben. Alles in allem konnten so 5 Wochen für Mitarbeiter*innen die in Vollzeit arbeiten (39h) im HomeOffice sinnvoll bei vollem Gehalt genutzt werden. Jetzt nach knapp 5 Wochen müssen alle Mitarbeiter*innen Ihre Ergebnisse schriftlich an die Leitung senden, die diese dann für Teamsitzungen, Vorbereitungszeiten der Kleinteams oder Dienstbesprechungen nutzen wird, wenn wieder alle Mitarbeiter*innen vor Ort sind. Dies alles setzt voraus, dass alle Mitarbeiter*innen (von den Auszubildenden, über die Köchin, hin zur Teilzeit- und Vollzeitkraft) ein Interesse daran haben sich weiterzuentwickeln und diese Situation als Chance für sich, das Team und die Professionalität des Berufsbildes zu begreifen. Des weiteren setzt dies auch einen Träger voraus, der ein Interesse daran hat, dass sich das Personal weiterentwickelt, so dass es auch gestärkt aus solch einer Krise gehen kann.“

 Auszüge aus einem Interview mit einer Einrichtungsleitung einer Kindertagesstätte

Das gesamte Interview finden Sie hier.

„Ich bin 61 Jahre alt und seit über 45 Jahren - damals hat man noch mit 15 mit dem Vorpraktikum angefangen - im Kitabereich tätig und das hier ist meine größte Herausforderung, die ich jemals erlebt habe.“

Familien unterstützen
„Unser Wunsch ist es uns zum Familienzentrum weiter zu entwickeln. Und da wollen wir natürlich auch familienfreundliche Angebote machen. Besonders auch für die Kinder, die vielleicht jetzt sehr an die Wohnungen gebunden sind, weil keine Außenflächen da sind. Oder weil die Spielplätze nicht benutzt werden dürfen. Da würden wir schon sehr gerne wieder handeln, um den Kindern und den Familien gute Möglichkeiten der Betreuung anzubieten. Auch für die, die jetzt vielleicht nicht in die Personengruppen der Notfallbetreuung gehören. Einfach damit auch der Stress in den Familien nicht so sehr ansteigt und die Kinder geschützt sind. Das ist bei uns hier vor Ort ein wichtiges Anliegen.“

Herausforderungen
„Wir haben eine offene Konzeption und diese offene pädagogische Arbeit ist nun ausdrücklich untersagt. Das wird für unsere Kinder eine große Herausforderung. Sie sind das ja ganz anders gewohnt. Sie sind sehr selbständig und auch selbstbewusst, ihren Tag frei in der Kita gestalten zu dürfen. Denn wir sehen die Kita wirklich als Haus der Kinder. Und da die Kinder bei uns teilweise 45 Stunden in der Woche sind, wird das in einem Raum, in einem Zimmer, ja... Das schränkt schon sehr ein...

Ängste und Unsicherheiten
„Viele [Mitarbeitende] haben mir berichtet, dass sie Angst haben. Also Angst die Kinder zu betreuen. Wir haben im Team viele Personen, die in die Risikogruppe gehören. Da habe ich z. B. eine Mitarbeiterin, die ist jetzt im Januar 50 geworden. Sie ist alleinerziehend, hat eine Tochter und sie wohnt mit ihrer über 80-jährigen Mutter in einem Haushalt. Sie sorgt sich natürlich sehr, wenn sie für den Kinderdienst eingesetzt wird und wenn sie sich vielleicht anstecken würde. Und was dann mit ihrer Mutter passiert.

Insgesamt arbeiten hier auch Mitarbeiterinnen, die vorher schon psychisch belastet waren. Sie machen sich jetzt auch ganz große Sorgen. Ich habe schon das Gefühl, die Mitarbeitenden haben aus persönlichen Gründen Angst, aber auch weil wir die Babys haben. Denn bei uns ist es überhaupt nicht möglich jetzt Schutzkleidung oder Plexiglasscheiben vor das Gesicht zu machen. Wobei wir sehr kreativ sind. Eine Kollegin hat schon was hergestellt mit einem 3d-Drucker. Eine aus Laminierfolie, quasi als Gesichtsschutz, dass uns die Kinder trotzdem sehen könnten. Und es gibt natürlich auch unsere Nähwerkstatt, die allerdings gerade kein Gummi mehr bekommen kann, um z. B. Mundschutzmasken her zu erstellen. Und seitens des Gesundheitsamts und der Behörde gibt es aber auch keine Vorschriften, wie das auszusehen hat oder wie das umgesetzt werden soll.“

Das klappt gut
„Bei uns klappt es sogar super gut, dass wir ein wirklich tolles Team sind. Was sich in diesen Tagen echt nochmal zeigt: Wie kreativ die Leute sind, wie sie sich selbst organisieren. Wenn ich die Frage stelle, was könnt ihr im Home-Office machen, wo habt ihr in den letzten Wochen zu wenig Zeit gehabt, wie sieht es aus mit euren Bildungs- und Lerndokumentationen für die Kinder? Was habt ihr an eigenen Ideen? Da entstehen wunderbare Projekte. Und es ist wirklich ein großes Team mit 20 Mitarbeitenden, mit unterschiedlichem Stellenumfang. Da wird die Zusammenarbeit gerade eng über Telefon oder E-Mail gestaltet und das ist ganz gigantisch.“

Was wünschen Sie sich?
„Mehr Klarheit! Nicht diese spontanen, wöchentlichen neuen Veränderungen. Klarheit dahingehend, dass auch - ich weiß nicht, ob man das jetzt so festlegen kann - aber auch nicht so flexibel diese Erhöhung auf die zehn Kindern innerhalb von zwei Wochen zugelassen wird. Denn das bringt auch bei den Eltern sehr viel Verunsicherung mit sich und die Eltern untereinander tauschen sich jetzt auch vermehrt aus.

Es fällt mir momentan schon schwer fair und klar zu machen, warum ein Kind eine Betreuung bekommt und ein anderes beispielsweise nicht. Gleichzeitig muss dabei natürlich auch immer der Datenschutz der Familien gewahrt werden.“