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Weiterentwicklungspotentiale

Was nehmen Jugendämter an Erfahrungen aus der Krise mit, was soll später erhalten oder fortgeführt werden? Wir haben Pflegekinderdienste verschiedener Jugendämter um Rückmeldung gebeten und folgende Stimmen eingefangen: 

In der Corona-Krise im Kontakt bleiben

  • Der Sachgebietsleiter Pflegekinderdienst im Jugendamt der Stadt Düsseldorf, Andreas Sahnen, hat sich mit der Fragestellung „In der Corona-Krise im Kontakt bleiben – als Herausforderung  und als Chance mit Weiterentwicklungspotenzial für die Pflegekinderhilfe!?“ auseinandergesetzt. Hier können Sie seine Überlegungen nachlesen.
     

Herausforderungen durch die Kontaktbeschränkungen

  • Helga Heugel, die Leiterin des Bereichs Pflege- und Adoptivkinder beim Jugendamt Stuttgart, berichtet, wie sie und ihr Team den Herausforderungen durch die Kontaktbeschränkungen bisher begegnet sind. Wie bei vielen Trägern war zunächst die Unsicherheit groß wie sich insbesondere Kontakte zwischen Pflegekindern und ihren Eltern ermöglichen lassen, doch dann wurden schnell kreative und individuelle Lösungen gefunden. Wegweisend war dabei das gemeinsame Motto “Wir können nicht nichts tun, sondern müssen neue Wege finden und gestalten“, um die schwierige Aufgabe ‚Infektionsschutz und Nähe erhalten‘ auszubalancieren. So ist es u.a. gelungen, auch Kinder in Bereitschaftspflege unterzubringen und gute Übergänge zu gestalten. Im Ausblick richtet sie den Blick auf gute Erfahrungen der letzten Wochen, die sie beibehalten möchten, findet es aber auch wichtig, Gewohnheiten aus der Vor-Corona-Zeit, wie die bisherige Gestaltung von Arbeitstreffen, unter dem Blickwinkel der neuen Erfahrungen auf den Prüfstand zu stellen.

Einblick in die Situation von Pflegeeltern im Kreis Heinsberg

  • Peter Müller vom Pflegekinderdienst der Stadt Erkelenz gibt uns einen Einblick in die Situation von Pflegeeltern im Kreis Heinsberg. In seinem Videobeitrag berichtet er, dass die überwiegende Zahl der Pflegeeltern die Zeit der Einschränkungen trotzdem als positiv erlebten, die Kinder wären entspannter und ausgeglichener gewesen. Er stellt Überlegungen bzgl. der Gründe dafür an und schlägt vor, diese genauer zu erforschen. 

Frau Gauweiler, Pflegekinderdienst des Jugendamtes Kreis Germersheim

  • Lesen Sie die Rückmeldung von Frau Gauweiler, Pflegekinderdienst des Jugendamtes Kreis Germersheim (Rheinland-Pfalz) hier.
     

Pflegekinderdienst der Stadt Moers (Nordrhein-Westfalen)

  • Der Pflegekinderdienst der Stadt Moers (Nordrhein-Westfalen) will gute Erfahrungen aus der Krise mitnehmen in Zeiten nach Corona, wie z.B. Hilfeplangespräche im Freien durchzuführen (Podcast) oder das Videotelefonieren auch mit jüngeren Kindern (Podcast). Auch das bessere und intensivere In-Kontakt-treten mit jugendlichen Pflegekindern per E-Mail wurde als positiver Effekt der Corona Krise benannt, das beibehalten wird (Podcast). Ebenso wurde die Gestaltung des Erstkontaktes zwischen Bereitschaftspflegefamilie und Dauerpflegefamilie im Park als äußerst positiv erlebt, weil deutlich ungezwungener als in einer Wohnung (Podcast).

Mitarbeiterin eines Flächenlandkreises in Bayern

  • Eine Mitarbeiterin eines Flächenlandkreises in Bayern berichtet: "Nachdem wir zunächst, wie wahrscheinlich viele andere, in eine Art "Schockstarre" verfallen, haben wir uns jetzt ganz gut arrangiert. Raus dürfen wir nur in dringenden Fällen. Wir haben zuerst alle unsere Pflegeeltern angerufen und waren überrascht, wie gut sie mit der Situation zurechtkamen. Per Mail haben wir Infos verschickt und wurden dann gebeten, auch Tipps für die Kinder zur Beschäftigung zu schicken. Daraus hat sich eine Rundmail mit Infos, Links und Tipps entwickelt, die so gut ankam, dass wir das nach der Krise beibehalten wollen." 

Pflegekinderdienst in Sachsen

  • Ein Pflegekinderdienst in Sachsen, der eine geplante Fortbildungsveranstaltung für Pflegeeltern absagen musste, überlegt nun, die Veranstaltung online durchzuführen. Statt eines ganzen Samstages wird nun ein "Schnupperabend" angeboten, der an einem Freitagabend von 20-21.30 h stattfindet. "Dann sind die Kinder im Bett, die Eltern können in Ruhe zuschauen" Überlegt wird eine Fortsetzung, wenn sich das Format bewährt. "Wir haben so lange geplant und uns schon gefreut auf die Veranstaltung, es wäre schade, wenn sie ausfallen müsste."

Bessere technische Ausstattung der Jugendämter!
Es scheint für einige Mitarbeiter*innen schwierig zu sein, im Homeoffice zu arbeiten oder z.B. per Videokonferenz in Kontakt zu treten, weil die technische Ausstattung der Jugendämter unzureichend ist. "Mein Laptop, den ich für das Homeoffice zur Verfügung gestellt bekommen habe, ist zehn Jahre alt, hat keine Webcam und ist auch äußerst langsam", so eine Mitarbeiterin eines Jugendamtes. 

Vieles geht auch telefonisch oder per Videoschaltung 
Müssen Gespräche, besonders unter den Fachkräften, immer "live" stattfinden, was organisatorisch und zeitlich oft ein großer Aufwand ist? Wäre z.B. die Einbeziehung weiter entfernter Teilnehmer*innen an einem Hilfeplangespräch nicht auch per Videoschaltung möglich? Und kann Video auch eine notwendige Distanz herstellen, wo sie geboten ist? Vielleicht ist die Scheu vor dieser (auch technischen) Herausforderung nach Corona gewichen und neue Wege können erprobt werden! 

Und trotzdem: Manches geht immer noch besser Face-to-Face. 

Der persönliche Kontakt kann nicht immer ersetzt werden, Befindlichkeiten, Stimmungen lassen sich besser im direkten Gespräch erfassen. Und insbesondere für die Pflegekinder ist der persönliche Kontakt wichtig!